Da war sie nun - die neue ACS an neuem, architektonisch wohlbekanntem Ort, der seinerzeit durch Presse, Funk und Fernsehen
gejagten lichtdurchfluteten GALLERIA und der quadratisch, praktisch, lichtlosen Messehalle Nummer NEUN (auch wenn dies in den Vorankündigungen
nicht erwähnt wurde - oder ist unsere Zeit tatsächlich so schnelllebig, daß sie Oswald Matthias Ungers Werk
aus den achtziger Jahren schon ad acta gelegt hat?)!
Die Besucher waren zunächst mal irritiert: der merkwürdige Eingang, die ungewohnte Halle, in der man
sich zunächst
erst einmal orientieren mußte (am einfachsten war der Weg an den
Außenwänden entlang im oder gegen den
Uhrzeigersinn) - und der Eindruck, den mir viele Kollegen schilderten: die Messe
sei kleiner geworden!
Alles subjektiv, würde die Messeleitung sagen, denn objektiv ist die Messehalle NEUN mit 8500 qm größer
als die sechs Messehallen in Wiesbaden und es waren sogar mehr Aussteller vertreten (mit einer merkwürdigen Fluktuation, die ich
schon zur letzten ACS beobachtete: von den ca. 200 Ausstellern 1994 waren fünfzig neue gegenüber dem Vorjahr und 1995 war es
ähnlich!).
Die Subjektivität des ersten Orientierungsganges wurde durch die Tiefe des Raumes relativiert und ich stieß
noch am zweiten Messetag auf Stände, die ich am ersten überhaupt nicht entdeckt hatte!
IAP in Hannover
herausgegebene Marktübersicht, die zur ACS 95 erstmals durch eine CD-ROM mit Softwaredemos
ergänzt wurde.
Der Messekatalog war dieses Jahr endlich (wie man das von ordentlich organisierten Messen
gewohnt ist, vor Messebeginn erhältlich und wurde während der Messe
durch ein tagesaktuelles Magazin namens ACS-Daily ergänzt. Bei genauerem Hinsehen merkte
man allerdings, daß dessen Inhalt zum größten Teil vorproduziert war.
Wie mir auf der Rückfahrt in der Bahn ein Kollege zeigte, gab es ein Sonderheft
des ACS-Daily bereits vor der Messe. Eine gute Idee, nur weiß ich bis heute nicht, wie
der Verteilerschlüssel hierbei aussieht und wer in den Genuß kommt, dieses
Vorabexemplar zugeschickt zu bekommen. - Aber als Online-Fan prophezeihe ich der nächsten
oder besser der übernächsten ACS ohnehin einen Online-Katalog, wie er inzwischen
bei besseren Messen zunehmend zum Leistungsumfang gehört (CeBIT, Buchmesse etc.).
Immerhin gab es auch auf der ACS 95 bereits einen Hauch von Online-Aktivitäten zu
spüren: das Institut Raum + Bau (IRB) in Stuttgart hatte am Stand T-Online und ISDN
installiert und konnte die WWW-Online-Abfrage ihrer
RSWB-Datenbank demonstrieren!
Am SPIRIT-Stand gab es eine interessante WWW-Alternative zu bewundern: das CAADnet++,
ein in Kassel aufgebautes und gepflegtes Mailbox-System, das dem Benutzer eine
Windows-Oberfläche bietet und per Modem oder ISDN direkt auf die Zentrale in Kassel zugreift.
Also kein Internet, aber auch keine DOS-Mailbox, die allenfalls Computerfreaks anspricht.
Ich war so fasziniert, daß ich mich nach der Messe um einen Zugang bemühte.
Man benötigt eine Zugangssoftware (die unter Windows läuft, aber eher nach
MacIntosh aussieht) und hat die Möglichkeit des Gastzuganges oder eines
Regelzuganges mit monatlicher Grundgebühr. Erstaunt hat mich die sehr hohe Geschwindigkeit,
mit der dieses Online-Netz arbeitet, die professionellen Möglichkeiten bis hin zu
Online-Konferenzen a la CompuServe.
Der Wermutstropfen: jedes Online-Medium ist so gut
wie dessen Inhalt und der sieht bislang recht mager aus (aber da kann ja noch was kommen!).
Besonders interessant ist dieser Dienst für SPIRIT-Nutzer, die hier Hotline-Fragen
beantwortet bekommen, Erfahrungsaustausch betreiben können und sogar ein Handbuch
im fortschrittlichen PDF-Format bekommen können.
Auch die Zeitschrift BAUINFORMATIK ist teilweise online abrufbar (zumindest Heft 5/95),
wahlweise in der reinen Textversion oder im Echt-Layout als ladbare
PDF-Datei. Inzwischen hat auch die SPIRIT-Hauszeitschrift st-art
eine Online-Version im CAADnet angekündigt!
Und da war noch was: eine amerikanische Erfindung namens IAI,
die inzwischen auch
einen Ableger in Deutschland gegründet hat, den Kontakt zwischen CAD-Anwendern und
Softwareherstellern sucht und dabei Firmen, Architektur- und Ingenieurbüros sowie
Softwarehäuser als Mitglieder vereinigt mit dem Ziel, Anwenderwünsche in die
Programmentwicklung einfließen zu lassen und den Datenaustausch endlich in den
Griff zu bekommen.
Während beim IAI die Softwarehäuser in friedlicher Eintracht an einem
Tisch sitzen, hörte man hinter den Messekulissen durchaus Sorgen heraus um die
wirtschaftliche Zukunft so mancher Softwareproduzenten, die immense Summen in die
Softwareentwicklung stecken, die sich im Zuge fallender Softwarepreise nicht wie erhofft
hereinwirtschaften lassen. Das große Schreckgespenst der Branche scheint Bill Gates
zu sein, dessen Ungarn-Besuch die Befürchtung keimen ließ, Microsoft steige
ins CAD-Geschäft ein. . . .
Denn da geistert schon eine grau-unscheinbare Anzeige durch
die Fachpresse, in denen M. sich des Themas CAD annimmt und nur 4 "offizielle"
CAD-Partner nennt . . .
Egal, ob diese Messesorgen ernsthafte Hintergründe haben - zum Schluß
noch eine Messeentdeckung, die ich einfach loswerden muß:
Schon vor Jahren begeisterte mich die Möglichkeit, zwei Monitore parallel zu schalten
und auf diese Weise die Arbeitsfläche zu vergrößern. Ich kenne sogar einen Kollegen,
der sein ganzes Büro auf eine neue CAD-Software umgestellt hat, weil die
Mitarbeiter die Doppelmonitor-Technik so begeistert hatte.
Inzwischen kann man jeden Windows-Arbeitsplatz mit zwei Monitoren ausrüsten, wenn
man sich die von mehreren Herstellern angebotenen Grafikkarten einbaut (man benötigt zwei!).
Nachteil 1: Die Dialogmenüs erscheinen standardmäßig in Bildschirm-Mitte
in diesem Fall halb auf dem linken Monitor, halb auf dem rechten
Nachteil 2: Windows-NT mag (bisher noch) keine Doppelmonitore
Auf der Messe nun war die Steigerung der Doppel-Monitor-Technik zu sehen: nicht nur zwei,
sondern drei (siehe Abbildung!), vier . . . bis hin zu sechzehn Monitore lassen
sich zusammenschalten! Das bringt die Hoffnung ein Stück näher, in
absehbarer Zukunft doch wieder in der Lage zu sein, ein Projekt in voller Größe
auf einen Blick betrachten zu können und dies ohne Zoomen und mit mehreren Leuten gemeinsam!