Hier ein Auszug aus meinem Artikel "Architektur Online" in Heft 11/95 des Deutschen Architektenblattes:
das nationale Online-Netzwerk BTX entstand vor ca. 10 Jahren, basierend auf der Idee des Engländers Sam Fedida, der Mitte der siebziger Jahre die Vision hatte, Fernsehen und Telefon zu kombinieren und dies "Viewdata" nannte. Bis heute sieht man dem ehemaligen "Bildschirmtext" BTX bzw. dessen Nachfolger "T-Online" die Fernsehtradition an: es sieht ähnlich grobklotzig und unattraktiv aus wie die Videotext-Seiten am heimischen Fernseher. Dies mag einer der Gründe sein, weshalb BTX bei uns beinahe in der Versenkung verschwunden wäre (im Gegensatz zu dem ähnlich konzipierten MINITEL in Frankreich, das sich großer Beliebtheit erfreut und ca. 7 Millionen Benutzer zählt, während BTX trotz neuen Namens die Millionengrenze noch immer nicht erreicht hat).
Erst die Anbindung des populären PC statt des Fernsehers und ein geschicktes Marketing reanimierten BTX, das daraufhin den Namen Datex-J erhielt und seit der Funkausstellung 1995 T(elekom)-Online heißt. Doch auch die Propagierung von Homebanking war noch nicht der große Hit. Die Adaption auf den PC (incl. MAC, Amiga, Atari) ließen das antiquierte Erscheinungsbild in der mausbedienten Grafik-Umgebung peinlich aussehen - das schon erwähnte "grobklotzige" Outfit namens CEPT. zudem umständlich bedienbar durch mancherlei exotische Tastenkombinationen: so heißt die typische Adresse *NAME#, weiter kommt man dann per Zahleneingabe, die wesentlichen Steuerelemente muß man wie Vokabeln lernen, *72#, *03# etc.
Von CEPT zu KIT
Die Telekom schaute über die Grenzen, sah, daß gerade der US-Marktführer CompuServe sehr viel PC- bzw. Windows-Komfort bot und entwickelt seit einem Jahr einen neuen Multimedia-Darstellungsstandard namens KIT (Kernsoftware für intelligente Terminals). Wie bei CompuServe oder WWW-Browsern für das Internet werden Daten auf dem PC zwischengelagert und nicht jedesmal frisch "durch die Leitung gepumpt". Auf diese Weise lassen sich Ladezeiten im Netz reduzieren. Der neue KIT-Standard (nur mit speziellen KIT-Decodern zu empfangen, die jedoch seit kurzem von der Telekom kostenlos ausgeliefert werden) ermöglicht sämtliche PC-Multimedia-Ressourcen zu nutzen (Bild, Ton, Video, Animation) und umfaßt die gewohnte Windows-Bedienung (Maus, Schaltknöpfe, Hyperlinks).
Bisher präsentieren sich ca. 50 Institutionen und Firmen im neuen KIT-Outfit.
Für den Benutzer, vor allem auch für Augenmenschen wie die Architekten, ist die Akzeptanz mit Sicherheit größer geworden durch KIT, denn es ist einfach zeitgemäß und durch die erhöhten Leitungsgeschindigkeiten der Telekom (statt 2400 Zeichen pro Sekunde gab es in diesem Jahr die Umstellung auf 14400, per ISDN gar auf 68000) auch vom Reaktionsverhalten sehr komfortabel (zum Vergleich: CompuServe arbeitet mit 9600 Bits/sec)
Was findet man als Architekt bei T-Online?
Man sollte unterscheiden zwischen dem reinen Hobbynutzer, der nach Feierabend seine Banküberweisungen online macht oder die Kataloge der Last-Minute-Reiseanbieter studiert und einem professionellen Nutzer, der z.B. als Architekt neben seinen Tagesaufgaben auf dem PC das BTX-Icon anklickt und Informationen ordert von Architektenkammer, Verbänden, Herstellern. Hierzu ist zur Zeit noch wenig zu finden in T-Online. Einige Firmen bieten Informationen an zu Wintergärten, CAD-Software, aber es sind nicht viele.
Neben der Kontoführung bei der Bank (einige Kollegen betreiben das mit Erfolg) wird die Nutzugn dieses Online-Netzes erst richtig interessant, wenn genügend Anbieter präsent sind. Hier ist es ähnlich wie bei der Einführung der Fax-Geräte: ein Fax-Gerät allein macht keinen Sinn, erst die allgemeine Verfügbarkeit "bringt´s".
Ähnliches ist aus Architektensicht dem T-Online zu wünschen: erst wenn viele Anbieter und viele Nutzer dabei sind, wird es ein ernstzunehmendes Medium. Unser Nachbarland Frankreich hat mit seinem nationalen Online-Dienst Minitel einen gewaltigen Vorsprung (auch was die Verbreitung und Akzeptanz unter Architekten betrifft). Jede größere Institution in Frankreich und zahlreiche Privathaushalte nutzen die Minitel-Terminals und es gibt nach Auskunft von Kennern diverse Informationsangebote im Architekturbereich.
Wer sich (vielleicht per T-Online) ins Internet wagt, wird feststellen, daß der amerikanische Berufsverband AIA dort bereits ein Online-Angebot pflegt (www.aia.org), viele Institutionen und Firmen aus dem Baubereich vertreten sind und wir in Europa mal wieder ganz schön hinterherhinken im Angebot und in der Akzeptanz der Benutzer.
Neben der Multimedia-Fähigkeit von T-Online ist es vor allem die Daten-Sicherheit beim Buchen von Veranstaltungen und Seminaren oder beim Ordern kostenpflichtiger Dinge, die für T-Online sprechen: jeder Nutzer ist anhand seiner BTX-Nummer identifizierbar (auch einzelne Mitarbeiter im Büro). Die anfallenden Rechnungsbeträge bei Bestellungen (z.B. für Bücher) werden direkt mit der Telefonrechung abgebucht.
Dies vereinfacht die Organisation auf Anbieterseite und vermeidet die Unsicherheiten, die bei anderen Online-Diensten mit der Bekanntgabe der Kreditkarten-Nummer über´s Netz verbunden sind.
Vor kurzem entschied sich die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen für T-Online und es wird für deren Mitglieder in Kürze möglich sein kostenlos Informationen abzufragen, kostenpflichtige Broschüren und Unterlagen zu bestellen oder ein Seminar aus dem Akademieprogramm zu buchen.
Leider zögern Bauindustrie, Verbände, Bauzeitschriften noch, auf den Online-Zug aufzuspringen bzw. sind erst noch dabei, Ihre Daten in digitaler Form aufzubereiten. Erst dann wird es möglich sein, bei Bauzeitschriften nach Artikeln zu bestimmten Stichworten zu recherchieren und sich die gefundenen Artikel direkt auf dem eigenen Drucker auszudrucken. Auch die Bauindustrie könnte die allmählich auf den Markt kommenden CD-Roms durch Online-Informationen ergänzen. Interessanterweise ist der KIT-Standrad darauf vorbereitet, mit CD-Roms zusammenzuarbeiten, denn trotz steigender Übertragungsgeschwindigkeiten bietet selbst ISDN allenfalls Zugriffsgeschwindigkeiten, wie man sie von Diskettenlaufwerken gewohnt ist. Große Datenmengen, die sich nicht ständig ändern, werden auch in naher Zukunft zweckmäßigerweise per CD-Rom transportiert.
In T-Online sind es bisher hauptsächlich Dienste, die im Alltagsgeschäft nützlich sind: die Telefonauskunft *ETB# und die Faxauskunft *EFAX# bieten eine Alternative zur ständig besetzten Telekom-Auskunft, *BAHN# oder *EFA# geben Auskunft über öffentliche Verkehrsmittel und -verbindungen. Die größeren deutschen Messeveranstalter sind vertreten (Messe#) und ermöglichen die Vorabrecherche nach Ausstellern und Veranstaltungsprogrammen. Exkursionen und Städtetrips kann man vorbereiten durch Anwahl der Städtenamen wie *BERLIN#, *HAMBURG#, *ESSEN# etc.
Ein wichtiger Punkt ist die Abfrage von Datenbanken. Während es im Wirtschaftsbereich einige Datenbanken gibt (z.B. Wer Liefert was?), ist im Architekturbereich nur das IRB (Informationszentrum Raum und Bau) mit seinen Datenbanken RSWB und ICONDA vertreten über *STNK# - allerdings nur für Experten und Kunden bedienbar.