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FH Bochum - FB Architektur
Uni Dortmund Fakultät fürBauwesenAIIDA / IVAR - Frühjahrstagung 1996
Protokoll der Tagung am 13.6.96
-VORABZUG-
:
Nach einführenden Worten zu Tagungszielen und zum Tagungsablauf, begannen die Teilnehmer, sich kurz vorzustellen.
Bericht der Hochschulen
Danach gab jede Teinehmerin und jeder Teilnehmer ein Statement ab zur Entwicklung des Computereinsatzes an seiner Hochschule und in seinem Fachbereich. Hierbei wurden seitens der Tagungsleitung, die Prof. Dr. Kahlen übernommen hatte, gezielt folgende Werte abgefragt, um eine Vergleichbarkeit zu erhalten:
- Zahl der Studierenden im Fachbereich (Neu-Immatrikulationen pro Studienjahr; Gesamtzahl der Studierenden)
- Investitionsvolumina der Erstausstattung und das zur Verfügung stehende Jahresbudget
- Auflistung der angebotenen Lehrfächer und deren Wertung (SWS, Pflicht-, Wahlpflicht- oder Wahlfach)
- Personalausstattung
- Forschungstätigkeiten
- eingesetzte Soft- und Hardware
Die Gesamtsumme dieser Berichte ergab ein äußerst breites Spektrum in Ausstattung (2 PC¢s im Fachbereich bis hin zu einer Fakultät mit 3 Mio DM Erstausstattung in den neuen Bundesländern) und Lehrangebot (von 1 SWS als Wahlfach bis zu 20 oder mehr möglichen SWS an Pflicht und Wahlfächern).
Ziel war nicht so sehr das gegenseitige "Prahlen", sondern ein Leistungs- und Ausstattungsvergleich, der vor allem als Argumentationshilfe von allen Teilnehmenden gern aufgenommen wurde, denn auch die Akzeptanz in den einzelnen Fachbereichen ist noch sehr unterschiedlich und der Computer ist längst noch nicht allerorts zum selbstverständlichen Arbeitswerkzeug geworden. Während an einigen Hochschulen bereits darüber diskutiert wird, ob und wann auch Rechner in den Zeichensälen aufgestellt werden sollen, gibt es auch Hochschulen, wo mangels Interesse oder Personal die Geräte unausgepackt ihrer Veralterung entgegendämmern.
Ein wichtiger Punkt wurde des öfteren angesprochen: die Verpflichtung, CIP-Pools 24 Stunden am Tag und sogar über die Weihnachtsfeiertag zugänglich machen zu müssen - wofür es unterschiedliche Modelle der Betreuung (durch Tutoren) bzw. der Sicherung (Ausgabe von Schlüsseln, Schließanlagen etc.) gibt.
Von verschiedenen Teilnehmenden wurde das Verhältnis der Hochschulen zu den Softwarehäusern angesprochen. Hier differierte n Ausstattungen und Ziele sehr deutlich. Während die meisten Hochschulen sich eines in der Praxisverbreiteten CAD-Programmes bedienen, gibt es einige, die CAD-Kurse von wechselnden CAD-Häusern als Lehrauftrag vergeben - es gibt aber auch einige, die Teilnehmende, die auf der Suche nach einem speziell für Studierende geeigneten System sind, das mehr das dreidimensionale Konstruieren und Orientieren im Raum zum Schwerpunkt hat als die möglichst zeiteffiziente Planerstellung.
Der Vortrag
von Prof. Dr. Heinrich Müller, Uni Dortmund (Lehrstuhl Informatik VII, Grafische Systeme) über "Zukunftsweisende Techniken in der CAD- Visualisierung"
mußte aus organisatorischen Gründen im Anschluß an die Hochschulberichte eingeschoben werden.
Prof. Müller schilderte in sehr klarer Weise die Methoden der heute üblichen "Bildsyntheseverfahren" wie Ray-Tracing und Radiosity und gab einen Einblick in die zur Zeit aktuelle Forschung der Bildsynthese und der Mensch-Maschine-Schnittstellen (z.B. Interaktive großmaßstäbliche Holografien), deren Ergebnisse erst in 5 bis 15 Jahren zur Marktreife entwickelt sein werden bzw. die heute erst auch extrem leistungsfähigen Rechner benötigen und erst eine weitere Leistungssteigerung der handelsüblichen Rechner verlangen.
Prof. Kahlen wies darauf hin, daß die gezeigten Synthesebilder leider architektonisch wenig befriedigende Beispiele darstellten und empfahl den interdisziplinären Austausch in einem frühen Stadium der Entwicklung neuer Programme und Prof. Knop wies auf die Nichtberücksichtigung des Ausgleichs stürzender Linien in Bildsyntheseprogrammen hin, wie sie aus dem Einsatz von Fachkameras oder Shift-Objektiven in der Architekturfotografie bekannt sind.
Das Thema Messestand
wurde aus organisatorischen Gründen vorgezogen. Schon auf der AIIDA-Tagung zur ACS 1995 hatte Prof. Elwert die Etablierung eines Hochschul-Messestandes angeregt, um Architekten im Lande, aber auch Professorenkollegen im eigenen Hause oder in computermäßig "unterentwickelten" Hochschulen das momentane Leistungsspektrum zu demonstrieren. Die Frage nach Interesse an einer Messeteilnahme brachte eine erstaunliche Zahl von ca. 10 Nennungen, so daß Prof. Elwert die Bildung einer Arbeitsgruppe anregte und zu einem ersten Besprechungstermin am 9. Juli 1996 nach Mainz einlud.
Nach einem sehr diskussionsreichen
Mittagessen
gab es mehrere
Präsentationen
der Dortmunder Lehrkonzepte und Forschungsprojekte im CAD-Pool des Fachbereiches Bauwesen (an dem Architektur- und Bauingenieurstudierende nach dem bekannten Dortmunder Modell unterichtet werden).
Prof Dr. Rank stellte verschiedene Forschungsprojekte seines Lehrstuhles für "Numerische Methoden in der Informatik" vor, u.a. Finite-Elemente-Methoden zur Verkehrsbeobachtung und -Lenkung, aber auch der Einsatz für Simulationsverfahren im Bereich der Energie- und Lichttechnik.
Höhepunkt war sicherlich die CAD-Darstellung einer in Zusammenarbeit mit Archäologen rekonstruierten römischen Stadt: der COLONIA ULPIA TRAIANA in der Nähe von Xanten.
Hierzu gab es eine umfangreiche Studenten-Bearbeitung mit dem Programm Allplan, die Auswertung und teilweise Umsetzung mit neuen Verfahren der Darstellung und Betrachtung virtueller Räume durch die Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung (GMD), dem sog. "fliegenden Teppich", der bereits auf der CebIT 96 ausgestellt wurde.
Das Projekt wurde bereits vor knapp einem Jahr sehr komplex als WWW-Struktur im Internet aufbereitet und ist dort zu sehen (http://www.bauwesen.uni-dortmund.de/forschung/forschung4/forschung4.html).
Claus Dießenbacher, einziger Architekt unter den sechs wiss. Mitarbeitern des Lehrstuhles, stellte Arbeitsmethodik und Ergebnisse einer (von Architekten und Bauingenieuren gemeinsam bearbeiteten) Studienarbeit zum Thema Holzbaukonstruktion vor, an dem sich die einzelne Arbeitsschritte sehr gut nachvollziehen ließen und die deutlich machte, daß CAD hier tatsächlich als dreidimensionales Entwurfs- und Detaillierungswerkzeug eingesetzt wird.
Ein weiteres, mit CAD und Klimasimulationsprogramm bearbeitetes Forschungsprojekt, eine energieminimierte Wohnanlage, zeigte den erfolgreichen Einsatz des Rechners bereits im frühen Entwurfsstadium, dargestellt u.a. als Video, erzeugt mit einem professionellen Animationsprogramm, das vor allem die Darstellung unterschiedlicher Beleuchtungssituationen im Tages- und Jahresrhythmus zeigte.
Die anschließende Möglichkeit,
im Internet
sowohl die Präsentation des Xantener Projektes an ca. 20 Arbeitsplätzen nachzuvollziehen, gab den durchweg internet-bewanderten Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Möglichkeit, auch die von Prof. Harald Gatermann (FH Bochum) entwickelten WWW-Konzepte für die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen (Forschungsprojekt 1995), zu finden unter http://www.aknw.de, anzuschauen, aber auch das Konzept eines Architektur-Online-Magazines (http://www.archinet.de ), einer Volltextrecherche in einer Architekturzeitschrift (http://www.architektur-online.de ), der Literaturrecherche und -Bestellung in einem Internet-Fachbuch-Handel und in verschiedenen Uni-Bibliotheken etc.
Basis für die Entwicklung der WWW-Strukturen war der jahrelange Umgang mit hypermedialen Informationsstrukturen, basierend auf CAD-Daten (Gebäudeführer, ACS-Messeführer etc).
Leider war die Zeit schon recht fortgeschritten, so daß von den Anwesenden nur Herr Brück (FH Wiesbaden) das Video einer Architektur-Animation, eingebettet in einen professionellen "Fernsehfilm" zeigen konnte.
Die Beschränkung
des Haupt-Programmes der Tagung auf einen Tag führte leider dazu, daß viele TeilnehmerInnen schon sehr zeitig gehen mußten und es fehlte leider die Gelegenheit, folgende wichtige Punkte anzusprechen:
- Der Aufbau eines regelmäßigen Informationsaustausches im Internet (Chat-Runden, Newsgroups, vereinheitlichte Darstellung der Lehr-, Personal- und Ausstattungsangebote auf einer WWW-Site, wie dies die vergleichbaren Organisationen ECAADE und ACADIA) tun.
- Die Wahl eines Repräsentanten für die CAD-Arbeitskreise in Europa (ECAADE) und USA (ACADIA).
- Die Festlegung eines neuen Tagungsortes und -veranstalters für das Jahr 1997. (Die größte Neugier hatte Prof. Donath aus Weimar mit seinem Hochschulbericht hervorgerufen, weshalb der Wunsch vieler Teilnehmer war, die neufirmierte Bauhaus-Universität Weimar als Ausrichter der AIIDA-IVAR-Tagung 1997 zu gewinnen).
- Die Aktualisierung der Adressenlisten von IVAR und AIIDA. Hier gilt es vor allem, diejenigen Hochschulen anzusprechen, die bisher an den AIIDA/IVAR-Tagungen nicht vertreten waren, bzw. aktuelle Zuständigkeiten innerhalb der Fachbereiche zu erkunden. Hierbei kann das WWW sicher sehr nützlich sein, aber leider sind längst noch nicht alle Hochschulen in diesem Medium vertreten.
Call for Papers
Auch wurde abends im Anschluß an die Tagung von den verbleibenden TeilnehmerInnen darüber diskutiert, ob sich AIIDA/IVAR nicht auch dem international üblichen Verfahren anschließen sollte, das für Tagungen dieser Art einen "Call for Papers" veranstaltet, um präsentationswillige Teilnehmende zu finden und das Programmpensum auf zwei Tage auszudehnen. Zum Vergleich: bisher bestand das Programm jeweils aus einem verbalen Bericht der Hochschulen und einer Präsentation der gastgebenden Hochschule.
WWW-Redaktion FH Bochum FB Architektur -16.6.96